Zanzar

Theater & Performance Projekte

    • Theaterpädagogin (Bachelor of Arts), freie Regisseurin, gelernte Köchin
    • Aufbau und Leitung des Jugendkulturbereiches von Theater Transit (bis 2009)
    • Künstlerische Leitung des Grenztänzer e.V (bis 2010)
    • Dozentin beim Bundesverband Kulturarbeit der evangelischen Jugend in der Modularen Kompaktausbildung zum Theaterpädagogen (seit 2010)
    • Regie in Stücken mit professionellen freien Theaterensembles, Amateuren und Jugendlichen (seit 2002)
    • Berechtig zur Vergabe des  „Kompetenznachweis Kultur“ durch die BKJ (Bundesvereinigung -Kultureller –Jugendbildung seit 2005)
    • Im Vorstand der freien Szene Darmstadt e.V (seit 2012)        
    • Kulturmanagerin der Spiel&TheaterWerstatt Frankfurt (2012/2013)
    • Performance Studies (Master) in Hamburg (2013-2015)
    • Fachdozentin Theater am TPZ Lingen (seit 2016)

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"Gott gibt uns das Essen, der Teufel die Köche."[1]  * 

Bevor ich mein Leben als Theaterfrau zu gestalten begann, war ich zehn Jahre lang Köchin und Küchenchefin. Auf den ersten, oberflächlichen Blick vielleicht zwei Welten, die kaum „in einen Topf“ zu bekommen sind, doch schon beim näheren Hinsehen zeigen sich in diesen Welten - performatives Theater und gehobene Küche - erstaunlich ähnliche Regeln, Vorgänge, Gesetzmäßigkeiten und erhellende Parallelen.

Mit allen Sinnen neugierig sein - das ist die Grundvoraussetzung für eine Küchenchefin. Um die Geschmacksexplosionen auf den Zungen der Gäste zu provozieren, werden sie und ihre Crew zu Alchemisten. Sie gehen in ihr Labor, heben Gesetzmäßigkeiten des guten Geschmacks, der Konventionen und des Bekannten auf, um sie neu, anders, fokussiert zu servieren. Dabei bedienen sie sich nicht neuer Aromen oder noch nicht entdeckter Zutaten, vielmehr besteht ihre Kunst darin, das Einfache, Alltägliche auf eine besondere Art zu betonen oder die Sinne in ihrer Gewohnheit zu irritieren und so ein neues Geschmackserlebnis zu ermöglichen: Hirsch in Schokoladensoße – herrlich! Oder die Kombination von Chili und Süßem - vor Jahren noch ein „Geheimrezept“ der Sterneköchinnen, mittlerweile Standard der Schokoladenindustrie. Das performative Theater war ebenso lange Zeit ein „Geheimrezept“ der professionellen, freischaffenden Theatermachern (Performern), heute ist dieses längst auch in Stadt- und Staatstheatern zu sehen.

Doch was ist das besondere „Geschmackserlebnis“ beim performativen Theater? Genau wie in der Küche werden die Zutaten, aus denen unsere Welt besteht, auseinander genommen, untersucht, verdichtet, fokussiert und in einen neuen Zusammenhang gestellt, sodass der alltägliche Vorgang besonders auffällig wird und somit wieder neu entdeckt werden kann.

Performance „übermittelt keine bestimmten Bedeutungen, sondern eröffnet dem Zuschauer““ und der Spieler/in im Prozess „ einen sinnlich-geistigen Spielraum, in welchem er, mit allen möglichen Bedeutungsrelationen experimentierend, Sinn für sich selbst konstruieren muss.[2] Dieser Prozess ist bis hin zur Aufführung ein Experiment mit offenem Ausgang, welches die Chance bietet, im Hier und Jetzt etwas Konstruiertes wirklich zu verhandeln. Meine Position als Regie unterscheidet sich somit deutlich von der als Küchenchefin, denn ist die Küche stark hierarchisch strukturiert, verstehen wir uns in der Theaterarbeit als kreatives Team.

„Ich träume von einem Theater, das Mut macht.

Es ist ein Theater für hungrige Menschen, gierige Menschen, für Menschen, für die Theater nicht ein delikates Dessert ist, sondern eine notwendige, lebensnotwendige Mahlzeit,(...). Es ist ein Theater der Fantasie, der befreienden Gefühle und der gewagten Gedanken (...). Es ist ein Theater, das sucht, nicht eines, das vorgibt, Antworten zu wissen“ [3]

Dieses Zitat von Peter Zadek ist in meiner Arbeit bis heute ständiger Wegbegleiter und Inspiration. 


*Auszug aus dem veröffentlichten Artikel "...von der Küchenchefin zur Regiesseurin" in der Fachzeitschrift "Spiel&Theater" des Deutschen Theater Verlag Okt. 2012


[1] Anm.: Sprichwort aus Italien

[2] Marie-Luise- Lange, Wörterbuch der Theaterpäd., Stichwort Performance (s.221)

[3] Zadek - Das wilde Ufer - 1990, Vorwort (S.15) //